Wie buche ich eine Pipe Band?

(Originaltext von Hubert Sudhues, hier in eingekürzter Version )

 

Know How & Checkliste

Eine Pipe Band soll gebucht werden und da das keine alltägliche Angelegenheit ist, möchten wir hier einige Anregungen anbieten, die die anfängliche Ratlosigkeit ein wenig mildern sollen. Die Checkliste soll helfen, Wunsch und Wirklichkeit möglichst optimal zur Geltung zu bringen.

 

Pipe Band Basiswissen in 5 Minuten

•Der schottische Dudelsack
•Die Gage
•Die Buchung: Fragen und Antworten

 

Der schottische Dudelsack 

Der Dudelsack ist ein Holzblasinstrument. Feuchtigkeit und Umgebungstemperatur haben beim Stimmen des Instrumentes gehörigen Einfluss auf Dauer und Resultat des Ergebnisses. Der Dudelsack kann nicht ausgepackt und gespielt werden wie z.B. ein Keyboard – er braucht eine gewisse Betriebstemperatur und Feuchtigkeit, muss also eingespielt werden. Erst dann ist es möglich, ihn zu stimmen. Einspielen und Stimmen müssen mit ca. 20-30 Minuten veranschlagt werden. Zwischen Stimmen und Auftritt sollte nicht getrödelt werden: So schwer es ist, den Dudelsack zu stimmen, so leicht ist er wieder verstimmt!

Klimaschwankungen verzeiht der Dudelsack nicht. Soll z.B. im Winter bei einem 80sten Geburtstag (überheizter Raum…) ein Ständchen gegeben werden und das Instrument muss aus Gründen der Geheimhaltung draußen eingespielt werden, so ist das Fiasko programmiert: Das Instrument ist beim Betreten des Raumes schlagartig verstimmt, – Gäste und Geburtstagskind ebenfalls.

Ideal ist also eine möglichst geringe Entfernung zwischen dem Ort des Einspielens und dem des Auftritts sowie möglichst ähnliche Umstände. Auch ist die zeitliche Abstimmung von großer Bedeutung. Das A & O ist die gute Kommunikation zwischen Piper und Veranstalter.

Kein Fest verläuft wie geplant, immer treten Verzögerungen im Ablauf auf. Stimmen Timing und Umstände wird der Auftritt der Band eine zwar laute, aber tolle Angelegenheit.

Die Great Highland Bagpipe, der „große schottische Dudelsack“, ist ein sehr lautes Instrument: Unmittelbar am Chanter (Melodiepfeife) werden 120 dBA mühelos erreicht, höhere Werte können in akustisch aktiven Räumen durch Überlagerung der Schallwellen zustande kommen. 120 dBA entsprechen der Schmerzschwelle oder dem Lärm, den ein in 100 Meter Entfernung stehendes Verkehrsflugzeug macht. Glücklicherweise kommt diese Lautstärke aber beim Zuhörer nicht an und ist bei weitem nicht so unangenehm.

 

Die Gage 

Wer einen Handwerker bestellt weiß, dass ein nicht unerheblicher Stundenlohn nebst Fahrtkostenpauschale zu zahlen ist. Die Höhe der Gage (richtiger wohl Aufwandsentschädigung) für eine Pipe Band ist Verhandlungssache, aber einige Fakten sollten bedacht werden:

· Der Mitglieder der Band sind in der Regel kein Berufsmusiker, müssen also auch anderen Pflichten nachkommen. Bei Auftritten während der üblichen Arbeitszeiten bedeutet dies auch, dass unter Umständen Urlaub genommen werden muss.

· Der Dudelsack ist ein Instrument das in unseren Breiten noch nicht weit verbreitet ist, somit sollte eine längere Anfahrt zu einem Auftritt mit berücksichtigt werden

· Der zeitliche Aufwand für einen typischen Auftritt stellt sich erfahrungsgemäß folgendermaßen dar:

Anlegen Highland-Dress ca. 20 Minuten
Fahrt zum Auftritt ca. 60 Minuten
Einspielen und Stimmen ca. 15 Minuten
Auftritt 1 ca. 20 Minuten
Wartezeit ca. 20 Minuten
Auftritt 2 ca. 20 Minuten
Heimfahrt ca. 60 Minuten
Ablegen Highland-Dress

(inkl. Schuhe putzen, Hemd waschen, bügeln)

ca. 40 Minuten
Summe ca. 250 Minuten

Auch ein kurzer Auftritt bedeutet also für die Musiker einen zeitlichen Aufwand von über vier Stunden – das ist mehr als ein halber Arbeitstag!

 

Die Buchung: Fragen und Antworten

Was? 

Was ist der Anlass? Eine Hochzeit, ein Jubiläum, ein Betriebsfest? Jeder dieser Anlässe hat einen anderen Rahmen und stellt daher andere Anforderungen an die Band. Mit einer Pipe Band wird ein Highlight gesetzt, die Veranstaltung mit einem Sahnehäubchen überzogen und dann kann wieder geredet und gefeiert werden. Aus dem Datum der Veranstaltung ergibt sich das Maß der Probleme, die zu bewältigen sind. Wie oben erläutert bereitet ein Auftritt im Sommer und im Freien die geringsten Schwierigkeiten. In allen anderen Fällen muss man sich um optimale Bedingungen bemühen. Ort und Zeit müssen zwischen Auftraggeber und Dudelsackspieler genau besprochen werden. Grundsätzlich sollte davon ausgegangen werden, dass die Musiker ortsfremd ist: Eine exakte Wegbeschreibung, ggf. eine Karte erleichtern die Anfahrt ungemein. Wichtig ist auch ein Ansprechpartner vor Ort, der ggf. auch als Lotse dienen kann, wenn Auftrittsort und Ort des Einspielens nicht identisch sind. Auf jeden Fall sind aber Telefonnummern auszutauschen, über die jederzeit Kontakt zwischen der Band und Veranstalter hergestellt werden kann.

 

Wie?

Soll der Auftritt eine Überraschung sein? Dann muss eine vorzeitige Entdeckung vermieden werden. Einspielen und Stimmen müssen an einem anderen Ort erfolgen als dem des Auftritts. Dieser „andere Ort“ muss soweit entfernt sein, dass das Stimmen des Dudelsackes nicht gehört werden kann, gleichzeitig aber so nah am Veranstaltungsort, dass er nach dem Stimmen schnell erreicht werden kann. In einem ausreichend großen und schallgedämmten Gebäude können diese Voraussetzungen unter einem Dach erfüllt werden, im Sommer und draußen muß die Distanz zwischen den beiden Orten groß genug sein:

Der Dudelsack trägt weit…

Zudem ist zu bedenken, dass Männer im Kilt (=Schottenrock) hierzulande sehr stark auffallen. Die Band muss also am Auftrittsort diskret eingeschleust werden.

Beachtet man diese Punkte steht einer Überraschung nichts mehr im Wege.